Kleiner Grenzverkehr

Reisemöglichkeit von West nach Ost
Der grenznahe Verkehr erlaubte es der Bevölkerung der grenznahen Städte und Landkreise der Bundesrepublik Deutschland (Anlage 1), im Rahmen des des jährlichen 45-Besuchstage-Kontingents mit sog. Mehrfachberechtigungsscheinen zu Tages- und später Zweitagesaufenthalten in die grenznahen Kreise der DDR (Anlage 2) einzureisen; der Zeitpunkt jeder einzelnen Reise konnte dabei frei gewählt werden. Der Mehrfachberechtigungsschein ermöglichte neun Einreisen und galt ein halbes Jahr. Die Aufenthalte waren sowohl zum Besuch von Verwandten und Bekannten als auch aus rein touristischen Gründen möglich. Das Visum wurde gegen Vorlage des Reisepasses und des Mehrfachberechtigungsscheines an der Grenze erteilt.

Der Mehrfachberechtigungsschein konnte auf zwei Wegen beantragt werden:

1. Verwandte oder Bekannte in einem der grenznahen Kreise der DDR – also diejenigen Personen, die man in der DDR besuchen wollte – stellen den Antrag schriftlich mit Vordruck bei den für sie zuständigen Behörden in der DDR (Dienststellen des Pass- und Meldewesens oder Räte der Städte und Gemeinden).

2. Der reiseberechtigte Einwohner der Bundesrepublik Deutschland beantragt selbst den Schein bei der zuständigen Behörde in der DDR auf dem Postwege.

Für beide Wege galt: Der Berechtigungsschein sollte rechtzeitig (4-6 Wochen) vor der beabsichtigten Einreise beantragt werden. Für jeden Einreisenden war ein Antragsformular in zweifacher Ausfertigung einzureichen. Jugendliche unter 16 Jahren, die grundsätzlich nur in Begleitung Erwachsener einreisen durften, mussten im Antrag des sie begleitenden Erwachsenen aufgeführt werden.

Grenzübertritt

Für den grenznahen Verkehr waren alle Straßen- und Eisenbahnübergänge zugelassen. Die Einreise musste über einen Übergang erfolgen, der einem der Besuchsorte in der DDR am nächsten lag. Für die Ausreise musste grundsätzlich derselbe Übergang benutzt werden wie für die Einreise.

Visagebühren und Mindestumtausch

Bei Tagesaufenthalten fielen Visagebühren von 5 DM an. Außerdem wurde ein Mindestumtausch vorgeschrieben. DM wurden in Mark der DDR im Verhältnis 1:1 umgetauscht. Der Mindestumtausch betrug 1989 25 DM pro Tag und Person. Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr waren vom Mindestumtausch befreit. Jugendliche vom vollendeten 14. bis zum vollendeten 15. Lebensjahr hatten 7,50 DM pro Tag zu zahlen. Rentner mussten 15 DM pro Tag und Person zahlen.


Mit der Teilung Deutschlands war oft die Teilung ganzer Familien verbunden. Familienmitglieder lebten diesseits und jenseits der Grenze. Gerade der Kleine Grenzverkehr war für viele Familien die im berechtigten Bereich lebten eine gute Möglichkeit den Familienzusammenhalt zu sichern. Bei Besuchen wurden regelmäßig kleine und große Mitbringsel aus dem Westen in den Osten mitgebracht.

Anton Dressler

Anton Dressler (Jg. 1928) flüchtete 1948 aus der DDR und lebt seitdem in Kassel. Seine Eltern und drei Schwestern blieben in Bad Langensalza. Über die Jahre hat er seine Familie regelmäßig besucht und auch über die Grenzöffnung hinaus, gab es einen intensiven Kontakt. Er erinnert sich an die Grenzübertritte.



Anlage 1 / In der BRD:

  1. Bad Kissingen
  2. Stadt und Landkreis Bamberg
  3. Stadt und Landkreis Bayreuth
  4. Stadt Braunschweig
  5. Celle
  6. Stadt und Landkreis Coburg
  7. Forchheim
  8. Fulda
  9. Gifhorn
  10. Göttingen
  11. Goslar
  12. Hamburg
  13. Landkreis Hannover
  14. aus der Stadt Hannover: Gemeindeteil Isernhagen-NB-Süd
  15. Landkreis Harburg
  16. Haßberge
  17. Helmstedt
  18. Hersfeld-Rotenburg
  19. Herzogtum Lauenburg
  20. Hildsheim
  21. Stadt und Landkreis Hof
  22. Holzminden
  23. Stadt und Landkreis Kassel
  24. Kiel
  25. Kronach
  26. Kulmbach
  27. Lichtenfels
  28. Hansestadt Lübeck
  29. Lüchow-Dannenberg
  30. Lüneburg
  31. Main-Kinzig-Kreis
  32. Marburg-Biedenkopf
  33. Stadt Neumünster
  34. Northeim
  35. Osterode im Harz
  36. Ostholstein
  37. Peine
  38. Plön
  39. Rhön-Grabfeld
  40. Stadt Salzgitter
  41. Schwalm-Eder-Kreis
  42. Stadt und Landkreis Schweinfurt
  43. Segeberg
  44. Soltau-Fallingbostel
  45. Stormarn
  46. Tirschenreuth
  47. Uelzen
  48. Vogelsbergkreis
  49. Werra-Meißner-Kreis
  50. Wolfenbüttel
  51. Stadt Wolfsburg
  52. Wunsiedel im Fichtelgebirge

Anlage 2 / In der DDR:

  1. Wismar (Stadt und Landkreis)
  2. Grevesmühlen
  3. Gadebusch
  4. Schwerin (Stadt und Landkreis)
  5. Hagenow
  6. Ludwigslust
  7. Parchim
  8. Perleberg
  9. Seehausen
  10. Salzwedel
  11. Osterburg
  12. Kalbe
  13. Klötze
  14. Stendal
  15. Gardelegen
  16. Tangerhütte
  17. Haldensleben
  18. Wolmirstadt
  19. Wanzleben
  20. Oschersleben
  21. Staßfurt
  22. Halberstadt
  23. Aschersleben
  24. Wernigerode
  25. Quedlinburg
  26. Nordhausen
  27. Sangerhausen
  28. Worbis
  29. Heiligenstadt
  30. Sondershausen
  31. Mühlhausen
  32. Langensalza
  33. Eisenach
  34. Gotha
  35. Bad Salzungen
  36. Schmalkalden
  37. Meiningen
  38. Suhl
  39. Hildburghausen
  40. Ilmenau
  41. Neuhaus
  42. Sonneberg
  43. Rudolstadt
  44. Saalfeld
  45. Pößneck
  46. Lobenstein
  47. Schleiz
  48. Zeulenroda
  49. Greiz
  50. Plauen (Stadt und Landkreis)
  51. Oelsnitz
  52. Reichenbach
  53. Auerbach
  54. Klingenthal

Stand im März 1989